Dem Herbstblues entfliehen: Ein Ausflug zur Milseburg

Die Adventszeit hat begonnen, doch der Herbstblues hält mich und meine Freund:innen fest im Griff. In unserer Heimatregion, dem Hohen Vogelberg, scheint das Nebelwetter ein ständiger Begleiter zu sein. Zwar wirkt die Landschaft mit ihrem Raureif zauberhaft und fast schon weihnachtlich, aber die Sehnsucht nach Sonnenstrahlen wurde immer größer.

So beschlossen wir, dem Nebel zu entkommen und machten uns auf den Weg in die nahegelegene Rhön, genauer gesagt zur Milseburg. Der “schönste Berg der Rhön”, wie er oft genannt wird, bot ideale Bedingungen, denn dort herrschte bereits seit zwei Tagen eine Inversionswetterlage.





Ein kurzer Blick in die Geschichte der Milseburg

Die Milseburg, ein markanter Basaltberg auf 835 m NN, ist nicht nur ein Naturwunder, sondern auch ein Ort mit historischer Bedeutung. Der Berg war schon in der Keltenzeit besiedelt und trägt den Namen des fränkische Adelsgeschlecht derer von Milz der bereits in den frühen Urkunden der Abtei Fulda auftaucht.

Eine Sage erzählt

Der Name der Milseburg soll auch auf eine Legende zurück gehen: Hier soll der „Riese Mils“ in Verbindung mit dem Teufel sein Unwesen getrieben haben. Der Heilige Gangolf bezwang den Riesen schließlich, woraufhin dieser sich das Leben nahm. Der Teufel bedeckte den Leichnam mit Steinen, die den heutigen Berg formen – so entstand die Milseburg der Sage nach.

Kreuzigungsgruppe und Bauwerke

Auf der Milseburg thront eine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1756. Darunter liegt die Gangolfskapelle, eine kleine Wallfahrtskapelle, die zu Ehren des Heiligen Gangolf errichtet wurde. Daneben befindet sich eine steinerne Kanzel, die Predigten unter freiem Himmel ermöglicht.

Etwas unterhalb der Kapelle stand die 1883/84 vom Rhönklub erbaute Milseburghütte. Diese gehörte ab 2018 der Gemeinde Hofbieber, wurde jedoch 2019 geschlossen und 2022 abgerissen. Im Jahr 2023 begannen die Arbeiten für einen Neubau.

Der Aufstieg zur Sonne

Vom Parkplatz aus ist der Gipfel in etwa 45 Minuten erreichbar – ein moderater Anstieg, der uns genügend Zeit für Zwischenstopps bot, um die Kamera zu zücken. Je höher wir kamen, desto mehr durchbrachen wir die Nebeldecke und wurden von strahlendem Sonnenschein begrüßt. Der Kontrast zwischen den frostigen, von Raureif überzogenen Bäumen und dem warmen Sonnenlicht machte die Landschaft geradezu magisch.

Besonders beeindruckend war die Szenerie an einem Aussichtspunkt in die Weite der Rhön: Ein leichter Hauch von Schnee, der durch die frostigen Nächte entstanden war, lag über der Hochrhön mit ihren weiten Ebenen und den markanten Basaltkuppen. Der Raureif glitzerte wie kleine Kristalle, während die klare Luft und das Sonnenlicht eine Märchenlandschaft schufen, die mich in ihren Bann zog.

Ein Gipfel mit Blicken, die den Geist befreien

Am Gipfel angekommen wurden wir nicht nur vom imposanten Kreuz und der Kapelle empfangen, sondern auch von einem Rundblick, der uns den Atem raubte. Die weite Landschaft der Rhön erstreckte sich vor uns – ein Bild der Ruhe und Weite. Für mich als Asperger ist so eine Kulisse mehr als nur ein schöner Anblick. Sie ist eine Quelle der Inspiration und ein Ort, an dem ich Ruhe finde.

Fotografie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie hilft mir, Details wahrzunehmen, die andere vielleicht übersehen: die feinen Strukturen des Raureifs, das Farbenspiel der tiefstehenden Sonne oder die Silhouetten der Bäume, die sich vor dem blauen Himmel abzeichnen. Diese Momente mit der Kamera festzuhalten, ist für mich wie Meditation – eine Möglichkeit, meine Gedanken zu ordnen und gleichzeitig kreativ zu sein.

Natur und Fotografie: Eine heilsame Kombination

Nach einer Weile des Staunens und Fotografierens machten wir uns gut gelaunt auf den Rückweg. Der Herbstblues war fast vergessen, und unsere Kameras waren voller Bilder, die uns noch lange an diesen Ausflug erinnern werden.

Für mich zeigt dieser Tag einmal mehr, wie wohltuend Natur und Fotografie sein können – besonders für Menschen mit Autismus. Die Verbindung von Bewegung, frischer Luft und der Konzentration auf die Schönheit der Umgebung hilft mir, innerlich zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu tanken.

Die Milseburg hat mir nicht nur Sonne geschenkt, sondern auch ein Stück Seelenfrieden. Ein kleiner Ausflug kann manchmal wahre Wunder bewirken – und dieser war definitiv eines davon. 

Quelle: Wikipedia
Fotos: Uwe Maginot, Thomas Wahle

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