Warum ich gerne Asperger bin


Die Tatsache, dass ich Asperger bin, ist ein unveränderlicher Teil meiner Identität. Ich könnte darüber lamentieren oder versuchen, etwas zu sein, was ich nicht bin – aber ich habe entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Warum sollte ich mich gegen etwas wehren, das untrennbar mit mir verbunden und nicht therapierbar ist? Stattdessen möchte ich die positiven Seiten dieser besonderen Denkweise annehmen und nutzen. Diese Reflexion ist meine philosophische Auseinandersetzung mit dem Asperger-Sein und ein Versuch, die Vorzüge zu erkennen.

  • Ein wertvolles Geschenk
  • Eine Quelle unermesslicher Freude
  • Unabhängigkeit von Konventionen
  • Ja, ich mag es Asperger zu sein

Das Leben als Asperger ist oft ein Leben der Intensität – des Denkens, des Fühlens, des Wahrnehmens. Manchmal mag diese Intensität wie eine Last wirken, aber in ihr liegt auch ein ungeheures Potenzial. Ich habe gelernt, dass meine andersartige Art zu denken und die Perspektiven, die daraus entstehen, ein wertvolles Geschenk sind.

Eines der Dinge, die ich am meisten schätze, ist meine Fähigkeit zur Tiefe. Wo andere Oberflächen streifen, tauche ich in die Tiefe. Mein Denken ist oft strukturiert, detailreich und fokussiert – fast wie ein inneres Universum, das darauf wartet, erforscht zu werden. Diese Eigenschaft hat mich befähigt, in Themen einzutauchen, die mich faszinieren, und dort Einsichten zu gewinnen, die anderen verborgen bleiben.

Meine Wahrnehmung ist oft schärfer als die vieler Menschen. Ich bemerke Details, die anderen entgehen – die subtile Nuance eines Ausdrucks, die Eleganz eines Musters oder die logische Inkonsequenz eines Arguments. Diese Achtsamkeit hat mir geholfen, in vielen Bereichen, die mir wichtig sind, bestehen zu können. Sie ist auch eine Quelle unermesslicher Freude, denn sie erlaubt mir, die Welt mit einer Intensität zu erleben, die oft verloren geht.

Zudem schätze ich die Ehrlichkeit, die mit meiner Art des Seins einhergeht. Smalltalk und leere Floskeln liegen mir nicht; ich bevorzuge echte Gespräche, ehrliche Momente und Authentizität. Diese Direktheit mag manchmal unbequem sein, doch sie ist auch eine Stärke. Sie bedeutet, dass ich Beziehungen aufbauen kann, die tief und bedeutungsvoll sind.

Vielleicht ist eine der größten Stärken des Asperger-Seins die Unabhängigkeit von Konventionen. Normen und Erwartungen, die viele Menschen gefangen halten, sind für mich oft weniger bindend. Das gibt mir die Freiheit, meinen eigenen Weg zu gehen und mich von dem leiten zu lassen, was ich für richtig halte. Diese Haltung hat mir oft geholfen, kreativ, innovativ und authentisch zu bleiben.

Natürlich ist das Leben als Autist nicht immer einfach. Es gibt Herausforderungen, Missverständnisse und Momente der Einsamkeit, Angstgefühle und Niedergeschlagenheit.  Doch gerade diese Momente machen die Stärken, die ich als Asperger entwickelt habe, umso wertvoller. Sie lehren mich, Resilienz zu entwickeln, an meinen Prinzipien festzuhalten und die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist – mit all ihren Eigenheiten.

Uve

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